Zehn bis zwölf Millionen Vögel machen im Wattenmeer Deutschlands, Dänemarks und der Niederlande im Laufe eines Jahres Station, zum Rasten, zum Brüten oder auch zur Mauser. Zu den Vogelzugzeiten im Frühjahr und Herbst gilt das Wattenmeer sogar als das vogelreichste Gebiet Europas, denn hier laufen die Flugrouten vieler Zugvögel zusammen.

Fünf Arten, die für die Vogelwelt im Nationalpark besonders typisch sind, bilden die „Flying Five“: der Alpenstrandläufer, die Brandgans, der Austernfischer, die Silbermöwe und die Ringelgans. Sie stehen stellvertretend für den großen Vogelreichtum des Wattenmeeres. Der wohl häufigste Zugvogel im Wattenmeer ist der Alpenstrandläufer. Die knapp amselgroßen Watvögel sind häufig an der Wasserkante zu beobachten, wie sie mit flinken Bewegungen nach kleinen Schnecken, Würmern und Krebsen stochern.

Im Juli und August versammeln sich alljährlich gut 200.000 Brandgänse – das ist fast der gesamte nordwesteuropäische Bestand – im südlichen Dithmarscher Watt zur Mauser. Während des Gefiederwechsels sind die Tiere flugunfähig und damit Landraubtieren wie Füchsen schutzlos ausgeliefert. Auf den von Wasser umschlossenen Sandbänken zwischen Büsum und der Elbe finden sie in dieser Zeit sichere Zuflucht und ausreichend Nahrung. Mit dem Fernrohr kann man die Tiere dann zum Beispiel vor der Küste von Friedrichskoog beobachten. Das restliche Jahr über sind die hübschen Brandgänse überall an der Küste anzutreffen. Da die Aufzucht der Jungen oft noch in die Zeit der Mauser fällt, teilen sich manche Weibchen die Kinderbetreuung. Während die übrigen Brandgänse bereits in die Mausergebiete fliegen, können einzelne Altvögel dann bis zu 100 Küken betreuen.

Unter fachkundiger Anleitung erleben Sie die Vögel auf einer ornithologischen Führung, die unter anderem die Schutzstation Wattenmeer sowie verschiedene NABU-Gruppen und -Zentren (www.NABU.de/termine) anbieten.