Pottwale gehören nicht zu den Bewohnern des Wattenmeeres, obwohl sie sich gelegentlich hierher verirren. Mit bis zu 20 Metern Länge und 60 Tonnen Gewicht sind sie die größten Vertreter der Zahnwale. Während die Weibchen mit ihren Jungtieren wärmere Gewässer, etwa an den Azoren, bevorzugen, gehen die Männchen jedes Jahr auf große Wanderschaft, um den Winter über am Polarkreis zu jagen. Dabei kommt es jedoch immer wieder vor, dass einzelne Tiere unterwegs irrtümlich in die Nordsee abbiegen. Hier finden sie nicht nur zu wenig Nahrung, sondern in dem für sie zu flachen Wasser können sie sich nur schlecht akustisch orientieren.

Auf diese Weise gelangten auch die Anfang des Jahres gestrandeten Wale in die Nordsee. Im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer fanden insgesamt 13 junge, noch nicht geschlechtsreife Bullen zwischen 10 und 15 Jahren nicht mehr den Weg aus dem flachen Wasser heraus. Bei ablaufendem Wasser gerieten sie im Wattenmeer in eine tödliche Falle:

Auf dem Trockenen drückte das Gewicht ihres massigen Körpers auf Blutgefäße und Organe und die Tiere verendeten schließlich an Herz-Kreislauf-Versagen. Da sie für die Schifffahrt ein gefährliches Hindernis darstellen können, musste der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig Holstein (LKN.SH) die Walkadaver aus dem Wattenmeer unter teils großem Aufwand an Land bringen und zerlegen. Forscher vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover sowie vom Kieler GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung untersuchten die 13 im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer verendeten Pottwale eingehend. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die Tiere gesund und gut genährt waren und ein Gewicht zwischen 12 und 18 Tonnen auf die Waage brachten.

Bedenklich stimmte die Tierärzte und Biologen jedoch der Plastikmüll, den sie in den Mägen einiger der Pottwale fanden, darunter die Reste eines 13 Meter langen Schutznetzes, das hauptsächlich in der Krabbenfischerei eingesetzt wird, eine 70 cm lange Plastikabdeckung aus dem Motorraum eines Autos und mehrere scharfkantige Reste eines Kunststoffeimers. Zwar hat der Mageninhalt in diesen Fällen nicht zur Strandung und zum Tod der Tiere geführt, doch die Forscher  gehen davon aus, dass die besonders betroffenen Wale große gesundheitliche
Probleme durch die Reste des Mülls bekommen hätten.