Die Chancen auf eine Walsichtung im Wattenmeer stehen bei windstillem Wetter vor den Stränden von Sylt und Amrum am besten. Hier, in der flachen Nordsee rund um das Sylter Außenriff westlich der langgestreckten Insel, fühlen sich die Schweinswale richtig wohl. Meist sind sie allein oder in Paaren, seltener in kleinen Gruppen unterwegs.

Der Schweinswal, auch Kleiner Tümmler oder Braunfisch genannt, gehört mit 140-180 cm Länge und 50-70 kg Gewicht zu den kleinsten Walarten. Im Vergleich dazu: Der Blauwal, das größte Tier auf der Erde, ist bis zu 33 Meter lang und wiegt stolze 190 Tonnen. Dabei ernährt sich der gewaltige Bartenwal von Kleinstlebewesen im Meer, dem Plankton, das er mit seinen Barten aus dem Wasser filtert. Der Schweinswal dagegen gehört zu den räuberischen Zahnwalen: Er ernährt sich von Fischen und Garnelen vom Meeresboden, die er mithilfe von Echoortung findet. Das heißt, er sendet Töne aus, lauscht dann auf das Echo und kann daraus schließen, ob
und was für Beute er vor sich hat.

In Europa stehen die Schweinswale unter Artenschutz. Damit sie an der deutschen Nordseeküste ungestört ihre Kälber großziehen können, wurde 1999 innerhalb des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ein Walschutzgebiet vor Sylt und Amrum eingerichtet, in dem insbesondere die Stellnetzfischerei eingeschränkt wurde. Denn die Fischernetze gehören zu den größten Gefahren für die kleinen Wale, die sich darin häufig verfangen und dann elendig ersticken, weil sie nicht zum Atmen an die Wasseroberfläche gelangen können. Ein weiteres Problem sind Müll und chemische Schadstoffe im Meer, weil sie das Immunsystem der Wale schwächen können.

han 02.08.2016